Was ist Freimaurerei?

Zitiert nach der Trierer Freimaurerloge
 


Auf diese Frage gibt es eine große Anzahl von Antworten. Das "Allgemeine Handbuch der Freimaurerei" gibt im Jahre 1900 eine beinahe definitorische Erläuterung des Begriffes:
"Freimaurerei ... ist die Tätigkeit engverbundner Männer, die unter Anwendung sinnbildlicher, grösstenteils dem Maurerhandwerk und der Baukunst entlehnter Formen für das Wohl der Menschheit wirken, indem sie sich und andre sittlich zu veredeln suchen, um dadurch einen allgemeinen Menschheitsbund herbeizuführen, den sie unter sich im Kleinen bereits darstellen wollen."

Knapper, aber in den Grundzügen doch sehr ähnlich, fällt die Antwort einer Informationsbroschüre des Pfarrers F.-W. Haack von 1988 aus:
"Die Freimaurerei ist das letzte große System von Männerbünden mit dem Ziel der ethischen und moralischen Vervollkommnung ihrer Mitglieder."

Die Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland erklärt das Wesen der Freimaurerei 1991 wie folgt:
"Das Wesen des Freimaurerbundes besteht in der Einheit von leitender Idee, tragender brüderlicher Gemeinschaft und vertiefendem symbolischen Erlebnis. Als Glieder eines ethischen Bundes treten die Freimaurer für Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Toleranz, Friedensliebe und soziale Gerechtigkeit ein. Als Gemeinschaft brüderlich verbundener Menschen ist die Loge Übungsstätte dieser Werte. Als Symbolbund dient die Freimaurerei der Verinnerlichung von Idee und Gemeinschaft. Hierin liegt ihre Besonderheit gegenüber allen anderen Zusammenschlüssen mit verwandten Zielen."
Und: "Der Tradition der europäischen Aufklärung folgend, bekennen sich die Freimaurer zu moralischen Werten und Überzeugungen. Der Freimaurerbund entwickelt zwar kein eigenes ethisches System und versucht schon gar nicht, ethische Überzeugungen in politische Programme zu übertragen. Dennoch gibt die Freimaurerei mit ihren alten Wertpositionen Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Freiheit, Gerechtigkeit und Toleranz Orientierungen und Maßstäbe für das Denken und Handeln ihrer Mitglieder vor. Im Vergleichen von Realität und Wertmaßstab, im gemeinsamen Nachdenken und in kritischer Selbstaufklärung sollen Verhaltensweisen und Umgangsstile eingeübt werden, die ein Umsetzen ethischer Überzeugungen in die Lebenspraxis des einzelnen Freimaurers bewirken."

Beschränkt man sich nicht auf solche allgemein und kurz gehaltenen Äußerungen, wird die Beantwortung der Frage "Was ist Freimaurerei?" wesentlich schwieriger, so daß man selbst von langjährig zum Bunde gehörenden Brüdern vollkommen unterschiedliche Antworten erhalten kann, die sich mitunter sogar widersprechen.
In der Hauptsache sind es zwei Gründe, die für diese Schwierigkeiten ursächlich sind. Zum einen ist es die Entwicklung der Freimaurerei selbst, die seit ihrem Entstehen viele verschiedene Strömungen hervorgebracht hat. Es gibt nicht "die" Freimaurerei oder "das" freimaurerische System. Die Freimaurerei kennt viele Lehrarten die sich in einer Vielfalt voneinander abweichender Systeme und Rituale ausdrücken, und auch in der verwendeten Symbolik gibt es Variationen und Unterschiede in Verwendung und Bedeutung. Und es gibt verschiedene Großlogen, die unterschiedliche Lehrarten besitzen. So existieren in der Bundesrepublik zum Beispiel drei deutschsprachige Großlogen, von denen jede ein eigenes System der freimaurerischen Lehre aufzuweisen hat. Da gibt es das System der auf humanitärer Grundlage arbeitenden Großloge der "Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland", in welchem die drei Johannis-Grade Lehrling, Geselle und Meister erteilt werden, daneben die christlich orientierte "Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland", welche neben den drei schon genannten Graden noch drei weitere von ihr so bezeichnete "Andreas-Grade" und darauf aufbauend "Kapitelgrade" als weiterführende Hochgrade erteilt, und es gibt die "Große National-Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln"", bei welcher über den drei Johannisgraden noch weitere "Erkenntnisstufen" angesiedelt sind.

In einem allerdings sind sie einander - und allen anderen regulären Logen weltweit - gleich: sie bearbeiten als Grundlage ihrer freimaurerischen Tätigkeit die drei Johannisgrade Lehrling, Geselle und Meister, in welchen nach übereinstimmender Anschauung die gesamte Freimaurerei enthalten ist, sie alle erstreben die Brüderlichkeit aller Menschen, und sie gehen alle davon aus, daß eine Verbesserung und Humanisierung der Gesellschaft nur dadurch erreicht werden kann, daß der einzelne Mensch sich bessert, und zu diesem Zwecke an sich und der Vollendung seiner eigenen Persönlichkeit arbeiten muß.
Damit ist der zweiten Grund angesprochen, der die Beantwortung der Frage "Was ist Freimaurerei" so erschwert: es ist die jeweilige Persönlichkeit des einzelnen Menschen, der die Freimaurerei in ihren Ritualen, ihren bruderschaftlichen Umgangsformen, der von Loge zu Loge ganz unterschiedlich gearteten Geselligkeit erlebt und der auf eine ebenso unterschiedliche und individuelle Weise in den Prozeß der geistigen Auseinandersetzung mit den Ideen, Grundlagen und Zielen der Freimaurerei eintritt, und seinen Einsichten entsprechend versucht, als Freimaurer zu leben und zu handeln. Das kann auf sehr unterschiedliche Weise geschehen, "es wird nicht gefordert, alle Steine in gleicher Form zu behauen, sondern vielmehr unter Beachtung ihrer Eigenart so, daß sie sich winkelrecht in den Bau einfügen lassen. ... Der Tempelbau der Menschheit bedarf der Steine in mannigfaltigen Formen", und: "Nicht alle Menschen haben das gleiche Maß ... Was für den einen gut ist, muß es nicht für den anderen sein."

Eines kann jedoch gesagt werden: "Wie immer man die alte und stets neue Frage: Was ist Freimaurerei? beantwortet, wichtig ist, den Freimaurerbund als Einheit von Idee, Gemeinschaft und symbolischem Ausdruck zu begreifen. Diese Vielgestaltigkeit erlaubt den menschlichen Neigungen unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten. So mag der eine mehr von lebendiger geistiger Auseinandersetzung angezogen werden, der andere in der menschlichen Gemeinsamkeit der Loge das Wesentliche sehen, und der dritte schließlich in Symbol und Brauchtum das Zentrum des Bundes erleben. Erfüllte Freimaurerei verwirklicht sich allerdings nur im Zusammenspiel aller ihrer Elemente", wozu natürlich auch und an erster Stelle die Umsetzung der in der Loge gewonnenen Selbsterkenntnisse in das eigene Leben gehört, ohne die alle Tätigkeit des Freimaurers in der Loge sinnentleert und hohl wäre.
Freimaurerei beginnt in der Loge, gelebt werden kann sie aber nur "draußen", in der Gesellschaft unter anderen Menschen. Dort ihre Wirksamkeit zu entfalten und ihr humanes, auf alle Menschen zielendes Anliegen über den einzelnen Freimaurer konkret zu formulieren und zu realisieren ist ihre eigentliche und höchste Aufgabe.